Secret Prison – Erfahrungsbericht zu EXIT Berlin
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Secret Prison – Erfahrungsbericht zu EXIT Berlin

Unsere Gastautorin Ambar de la Horra wurde von EXIT eingeladen, um das Spiel "Secret Prison" zu testen.

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Ich befinde mich in einem rechteckigen unterirdischen Bunkerraum mit schummrigem Licht und stickiger Luft. Es ist ein Gefängnis. Aber nicht irgendein Gefängnis.
Es tummeln sich die wildesten Gerüchte um diese Haftanstalt. Verbürgte Nachrichten gibt es leider keine. Schließlich ist bisher noch niemand lebend dem Bunker entkommen. Wir sind uns einig, dass wir auf einen empirischen Erfahrungsbericht vorerst verzichten können. Daher übermannt meine Zellengenossen und mich nur ein Gedanke: Flucht und die damit gewonnene Freiheit. Wir haben 66 Minuten Zeit. Diese Information haben wir von einem von uns isolierten Häftling. Er hat die Gänge der Justizvollzugsbeamten minutiös studiert und prognostiziert uns ein ähnliches Schicksal. Alle Gefangenen werden nach 66 Minuten bürokratischer Abläufe getrennt und in Einzelhaft verfrachtet. Ab dann gibt es kein Entkommen mehr. Wir beschließen, unseren Kompagnon aus seiner Einzelhaft zu befreien und dann gemeinsam diesem Ort der Verdammnis zu entfliehen.
Bestandsaufnahme:

Es gibt 4 Türen. Durch eine wurden wir in diesen Raum gezwängt. Wenn wir mit dem Rücken zur ihr stehen, finden wir von links nach rechts: ein elektronisches Zahlenschloss, eine massive Metalltür plus vorgesetzter Gittertür (dahinter befindet sich Zelle 67 samt unserem Freund, wie wir einem Schild und den Schreien von der anderen Seite entnehmen können), eine (wahrscheinlich mit Nägeln in die Wand eingeritzte) Morsetabelle, ein Lüftungsschacht, ein zweistufiger #Rolltisch aus Leichtmetall (darauf befindet sich ein kittchenkitchenübliches Festmahl inklusive Schraubenzieher und verschlossener Metallbox), eine weitere Tür mit erforderlichem Zahlencode. Das war die linke Seite. Nun kommt die kurze Wand direkt uns gegenüber. Dort steht ein Spind mit 3 Abteilen. Eins davon ist verschlossen, in den anderen befinden sich Schuhe. Wir fahren mit der rechten Wand fort. Dort hängt ein langes Kettenschloss, welches verwirrenderweise nichts abriegelt.# Weiter geht es mit einem eingerahmten Bild und die für das bereits erwähnte obskure Licht verantwortliche Leuchte. Am Ende, sprich direkt rechts neben uns, befindet sich – welch Wunder – eine weitere verschlossene Tür.

Da die Zeit rennt, will ich die Analyse des architektonischen Stils auf einen anderen Zeitpunkt legen. Jetzt geht es um schnelles Denken und Handeln. Wir haben schließlich nicht mehr lange Zeit. Wie viel denn genau? Ein Blick auf die Anzeigetafel verrät es mir. Moment. Eine digitale so-viel-Zeit-habe-ich-noch-zum-Fliehen-Anzeigetafel im Gefängnis? Erwischt. Ich habe bei meiner Beschreibung ein paar Details weggelassen. Zum Beispiel, dass kurz zuvor ein sympathischer Gamemaster uns ausführlich instruierte. Gamemaster? Also ist dies ein Spiel? Aye. Ein Live Escape Game, um genau zu sein. Warum lässt man sich freiwillig in einen überwachten Raum einsperren und versucht dort wieder rauszukommen? Weil es verdammt viel Spaß macht!

Ich freue mich sehr, dass meine erste (aber mit Sicherheit nicht letzte!) Begegnung mit diesem Spiel im EXIT Berlin stattfand. Ich würde nun gerne eine ausbalancierte Pro-Contra-Gegenüberstellung anfertigen, aber mir fällt tatsächlich nichts Negatives ein. Vom charmanten Empfang über die detaillierte Einführung bis zur anschließenden empathischen Spielanalyse. Alles stimmte. Daher kann ich diesen Ort uneingeschränkt all denen, die bei dem Gedanken, sich mit ihrem Kopf bewaffnet aus einem Rätsel-Parkour he¬r¬auszu¬ma¬nö¬vrie¬ren, leuchtende Augen bekommen, weiterempfehlen. Du musst unverständlicherweise andere noch davon überzeugen? Ich schmeiße nur das pädagogisch wertvolle Stichwort Teamfähigkeit in den Raum. Alleine ist man dort nämlich ziemlich aufgeschmissen. Also wenn du gerne mit Freunden detektivesk kombinierst, entzifferst und Rätsel knackst, wirst du dich bei EXIT Berlin pudelwohl fühlen. Dort steckt überall – und das macht sich auch bei der Ausstattung bemerkbar – Liebe zum Detail. Dies führt dazu, dass man 66 Minuten die Zeit vergisst. Was will man mehr?

P.S. Einen Nachteil gibt es doch: Es hat immensen Suchtfaktor und man kann jeden Raum nur ein Mal spielen!